So holt man sich anonyme Hilfe im Internet

FOCUS, 6 April 2014, Deutschland

An wen können sich Kinder und Jugendliche wenden, wenn sie Opfer von Cyber-Mobbing werden? Die wenigstens Betroffenen suchen Hilfe bei ihren Eltern oder Lehrern. Doch das Internet bietet Möglichkeiten, anonym zu bleiben.
Unter Cyber-Mobbing versteht man sämtliche Handlungen, um eine Person auf digitalem Wege bloßzustellen und zu belästigen. Besonders das Internet und vor allem soziale Netzwerke wie Facebook sind erste Anlaufstellen für Täter. Dort werden regelrechte „Hass-Gruppen“ gegründet, in denen sich mehrere Mobber gegen ein Opfer verbünden und so seinen Ruf schädigen.
Besonders kritisch wird es bei der ungewollten Verbreitung von Aufnahmen, die das Opfer in anzüglichen Posen zeigen. Beim sogenannten „Sexting“ handelt es sich um erotische Kurznachrichten und intime Fotos, die Jugendliche an Freunde und Partner versenden. Was aus den eigentlichen „Liebesbeweisen“ wird, wenn man im Streit auseinander geht, ist für Jugendliche oft nicht abzuschätzen, erklärt techfacts.de.

Trend zur anonymen Beratung

„Cyber-Mobbing kann ungeahnte Dimensionen annehmen, die Eltern und Lehrer oftmals unterschätzen oder verharmlosen.“, erklärt Nina Pirk von der Nummer gegen Kummer. „Dabei ist Mobbing vor allem bei Pubertierenden ein riesiges Thema, das Anlass für etwa jedes zehnte Beratungsgespräch ist.“
Sie ist sich bewusst, warum Kinder und Jugendliche immer häufiger auf eine anonyme Beratung zurückgreifen, obwohl sie ihre Eltern und Lehrer um Rat bitten könnten. „Vielen Opfern ist die Situation peinlich und sie wollen nicht, dass ihr Fall öffentlich vor den Mitschülern thematisiert wird.“
Hubert Bernnat, Schulleiter des Hans-Thoma-Gymnasiums Lörrach, setzt daher präventiv an und sensibilisiert Schüler und Eltern schon früh mit Kennenlernfahrten, Klassenlehrerstunden und Infoabenden: „Wir versuchen ein Bewusstsein zu wecken, wissen aber auch, dass Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe sind. Die Ressourcen reichen an Schulen oftmals nicht aus.“

Nummer gegen Kummer

Alleine im Jahr 2013 führte dieNummer gegen Kummeretwa 620.000 Gespräche mit Kindern und Jugendlichen – oft über Mobbing, Cyber-Mobbing und Ausgrenzung. Selbst besorgte Eltern werden von geschulten Beratern informiert. „Niemand ist alleine“, so Nina Pirk. Dabei ist Anonymität oberstes Gebot: Die Telefonnummer des Anrufers ist für die Berater nicht sichtbar und auch auf der monatlichen Abrechnung erscheint sie nicht, da die Nummer gegen Kummer zu jedem Zeitpunkt kostenlos ist.
Eine Beratung ist nicht nur telefonisch, sondern auch im Internet möglich, wie nur wenige wissen. Dazu haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, sich anonymonline zu registrierenund wertvolle Ratschläge von der Nummer gegen Kummer zu erhalten. Zwar muss bei der Registrierung eine E-Mail-Adresse hinterlegt werden, diese ist jedoch genau so wie die Konversation nie öffentlich einsehbar. Ein Passwort schützt alle sensiblen Daten.

Nicht immer ist eine Beratung per Telefon oder E-Mail notwendig. Es stehen zahlreiche Portale zur Verfügung, die über Cyber-Mobbing und die Gefahren im Internet aufklären – darunter klicksafe.de mit hilfreichen Artikeln, Videos und Lernmaterialien.