Tatort Schulhof in Berlin

BERLIN

Es wird geprügelt, geklaut, gemobbt, was das Zeug hält. Auch Sex-Straftaten kommen immer häufiger vor. Tatort Schulhof: In Berlin gab es im vergangenen Schuljahr knapp 36 Prozent mehr Tätlichkeiten des Gefährdungsgrades I als im Vorjahr. Dazu gehören Beleidigungen und Drohungen. Auch Angriffe auf Schulpersonal nehmen mit rund 60 Prozent besorgniserregend zu. Über die heiklen Zahlen wurde bisher geschwiegen. Dem KURIER liegt der neue Schock-Bericht vor.

Die großen Jungs kneifen schüchternen Mädchen gerne in die Brust – „weil die so schön kreischen“. Manchmal geht es auch härter zur Sache. Darüber, wie demütigend das ist, machen sie sich keinen Gedanken. 52 Sex-Taten registrierte der Senat vergangenes Jahr. Manche Kinder trauen sich nur noch mit einem Klappmesser in die Klasse. Ihre „Schulfeinde“ kontern mit Teleskopstöcken und Schlagringen. 55 Waffen wurden an Schulen konfisziert. Unfassbar: Es war sogar ein Sprengsatz dabei. 1202 Mal kam es zu Tätlichkeiten, Beleidigungen und Drohungen. Tatbestände des Gefährdungsgrades I. Dazu gehört Mobbing (93 Fälle).

In die Kategorie II fallen Vandalismus (74 Taten), verfassungsfeindliche Pöbeleien (30 Taten) und schwere körperliche Gewalt (433). Das letztere ist eines der wenigen Delikte, bei denen es einen Rückgang um knapp 25 Prozent gab. Dafür wurden in 305 Fällen wüste Bedrohungen ausgesprochen – 102 Fälle im Vorjahr. Gut wiederum: Es kam „nur“ zu 17 Amokdrohungen. Davor waren es satte 51! Übergriffe auf Schulpersonal sind unabhängig vom Gefährdungsgrad gemeldet. Es waren 464 gegenüber 292 in 2010/11. Trauriger Höchststand: 2295 Täter und Tatverdächtige. Die Zahl der Opfer schoss ebenfalls in den Himmel: 2259, davon 882 junge Mädchen und Frauen.

Zahlen, die nachdenklich stimmen. Sie gehen aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Neuköllner SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor. Er fragte auch nach Zahlen aus den einzelnen Schulen. Dazu hieß es: Eine Aufschlüsselung der gemeldeten Tatbestände nach einzelnen Grund-, Ober- und Sonderschulen, sowie Oberstufenzentren in den Bezirken sei im zeitlichen Rahmen der Beantwortung nicht leistbar.

Langenbrinck fordert, dass Schulen alle Taten melden müssen. Eine Pflicht, die es für die Gefährdungsstufe I (höchster Zuwachs) einfach nicht gibt. Sonderbar: Von den 800 Berliner Schulen haben sich überhaupt nur 410 an dem Meldeverfahren beteiligt